Schutzraum                          Wertschätzung

Die Kinder erhalten einen sicheren Schutzraum, in welchem sie in einem Klima zur Ruhe kommen können, das von Sicherheit, Berechenbarkeit, Angstfreiheit, Geborgenheit, Transparenz, offenem Umgang miteinander sowie emotionaler, psychischer und physischer Verfügbarkeit der für sie zuständigen Betreuer*innen geprägt ist. Durch die Deeskalation der bisherigen Lebenssituation können sowohl die aufgenommen Kinder als auch ihre Bezugspersonen entlastet werden, um auch bei ihnen allmählich neue Entwicklungen zu ermöglichen.

Die in unserer Gruppe aufgenommenen Kinder kommen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen und Bedarfen zu uns. Darum ist der Respekt und die Achtung vor der Lebensgeschichte und der Lebenssituation jedes Kindes und seiner Angehörigen für uns die Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Diese Wertschätzung und die damit verbundene Erkenntnis, dass Eltern und andere Bezugspersonen grundsätzlich das Beste für das Kind wollen, dass Eltern einmalig sind und Profis Eltern nicht ersetzen sind aus unserer Sicht wichtige Grundlagen menschlicher Beziehungen. 

Unser Konzept

Unsere Diagnosegruppe hält insgesamt sechs Diagnostikplätze für Mädchen und Jungen in einem Aufnahmealter von drei bis acht Jahren vor.

Eine Diagnostik durch unser Team ist z.B. geeignet, wenn die hohe Problembelastung des Herkunftsmilieus beim Kind zu vielfältigen Entwicklungsstörungen geführt hat, die Erziehung und Entwicklung auch mit stützenden und ergänzenden Hilfen im Herkunftsmilieu perspektivisch nicht ausreichend sichergestellt werden kann und wenn wesentliche Informationen über den Entwicklungsstand, die Ressourcen, Problemlagen und mögliche Traumatisierungen des Kindes fehlen.

Humor                                  Diagnostik

Wir Mitarbeiter*innen nehmen uns selbst nicht zu ernst, lösen kritische Situationen entspannt und mit Humor und haben Spaß an unserem Tun. Wir akzeptieren, trotz hoher Fach- und Sozialkompetenz fachlich und menschlich nicht alles zu können und zu wissen, sind aber ständig bestrebt, uns weiterzubilden und weiterzuentwickeln. Wir sind in der Lage, eigene Schwächen zu erkennen, eigene Gefühle zuzulassen und unserem Gegenüber zu spiegeln. Auf diese Weise können die uns anvertrauten Kinder von uns Fehler-freundlichkeit, Ressourcenorientierung im Umgang mit dem Anderen und Geborgenheit als emotionales Angebot erfahren.

Es wird eine kindzentrierte, umfassende und fundierte Diagnostik auf der Basis des Auftrages aller am Prozess beteiligten Personen erstellt, wobei sich diese auf die Dimensionen Psychologische Diagnostik, Sozialpädagogische Diagnostik und Heilpädagogische Diagnostik erstreckt. Die Ergebnisse ermöglichen ein intensives Kennenlernen der Ressourcen und Schwierigkeiten des Kindes, erklären die möglicherweise auffälligen Verhaltensweisen und zeigen geeignete Lösungsansätze für die Zukunftsperspektive auf.

Arbeit mit Bezugspersonen   Förderung

Die bisherigen Bezugspersonen sollen möglichst intensiv in den gesamten Diagnostikprozess mit einbezogen werden. Dabei ist Transparenz auf allen Ebenen für uns ein unverzichtbares Mittel für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Fachleuten und dem jeweiligen Bezugssystem. Wir schaffen eine vertrauensvolle Atmosphäre, in welcher die Beteiligten offen und angstfrei über ihre Ängste, Gefühle, Erfahrungen oder ihre unsichere Lebenssituation sprechen können. Solche Gespräche können wir übrigens in deutscher, türkischer, albanischer und englischer Sprache führen.

Neben der im Alltag begleitend stattfindenden Förderung der Kinder in den verschiedenen Erfahrungsbereichen findet regelmäßig eine individuelle Förderung statt, beispielsweise durch Hausaufgabenhilfe, Motopädie, Snoezelen, Kreativangebote, Ernährungsbildung oder durch Übungen zur Erweiterung der lebenspraktischen Fertigkeiten. Je nach medizinischer Indikation wird z.B. Sprachförderung durch Logopädie, Ergotherapie etc. ermöglicht.

Kindergarten/Schule            Bezugsbetreuer*innen

Je nach Alter besuchen die Kinder die bisherigen oder örtlichen Kindergärten oder Schulen. Die Mitarbeiter*innen arbeiten dabei eng mit den Mitarbeiter*innen des Kindergartens zusammen bzw. sorgen für die entsprechende Anleitung und Unterstützung der Kinder bei den schulischen Belangen und sind in regelmäßigem Austausch mit Lehrer*innen zur schulischen Entwicklung des Kindes.

Die Begleitung des Kindes sowie aller am Prozess der Diagnostik beteiligten Personen wird durch ein Bezugsbetreuer*innensystem sichergestellt. Diese*r ist primäre Ansprechperson für alle Beteiligten, sorgt somit für kontinuierliche persönliche Bezüge und nimmt im Idealfall an allen das Kind betreffenden Gesprächen und Terminen teil, um aktiv dessen Interessen und Bedürfnisse zu vertreten.

Rückführung/Vermittlung    Beteiligung/Beschwerde

Ist eine Entscheidung über die weitere Perspektive des Kindes gefallen, entwickelt das Team einen Fahrplan für die Rückführung gemeinsam mit den Beteiligten, wobei diese in die Lage versetzt werden, neue Strukturen und Perspektiven zu entwickeln und Erziehungs- bzw. Beziehungsprobleme zu lösen. Ist dies nicht möglich, arbeitet das Team an einer kindgerechten Vermittlung in eine geeignete Hilfeform (z.B. Pflegefamilie oder Wohngruppe).

Nach unserem pädagogischen Verständnis kann Erziehung ohne altersgerechte Partizipation in allen wichtigen Lebensbereichen nicht gelingen. In unserer Diagnoegruppe gelingt dies durch das Erfahren von Zugehörigkeit, Transparenz und durch alters- und entwicklungsgerechte Mitbestimmung in allen das Kind betreffenden Bereichen sowie durch installierte Beschwerde-Möglichkeiten für die Kinder und ihre Bezugspersonen.